Die Gorilla-Situation: Was ist das und warum benennt man einen Blog danach?

Die „Gorilla-Situation“

Die meisten werden mit dem Begriff „Gorilla-Situation“ nicht besonders viel anfangen können.
Das mag wohl daran liegen, dass es keine feste Begriffsdefinition dafür gibt.

OK, der Ursprung ist schnell zusammengesetzt:

Gorilla + Situation

Aber kann das schon alles sein? Nein!

Den Begriff habe ich abgeleitet aus den Experimenten des amerikanischen Psychologen Daniel Simons.
Was diese so besonders macht?

Simons drehte einen kleinen Film in welchem eine weissgekleidete und eine schwarzgekleidete Mannschaft sich gegenseitig einen Ball zuwerfen.
Diesen Film zeigte er einigen Zuschauern und stellte ihnen dabei die Aufgabe mitzuzählen, wie viele Male sich eine Mannschaft den Ball zuwirft und er dabei den Boden berührt (also die Anzahl Bodenkontakte die z.B. die schwarze Mannschaft produzierte wenn sie sich den Ball zuwerfen).

Am Ende der Vorführung wurden die Teilnehmer gebeten die jeweils registrierte (mehr oder weniger richtige) Anzahl von Ballkontakten zu nennen.
Darauf folgte die Frage des Testleiters, ob den Zuschauern etwas Besonderes aufgefallen sei, welche von allen Teilnehmern verneint wurde.

Anschließend wurde der Film erneut vorgeführt. Dieses Mal wurden die Zuschauer aufgefordert, NICHTS zu zählen sondern den Film unvoreingenommen zu betrachten.
Erst jetzt entdecken die Zuschauer den Gorilla (bzw. eine als solcher verkleidete Person), welcher mitten durch die Szenerie der Spieler läuft, kurz stehen bleibt und sich auf die Brust trommelt um anschließend seinen Weg aus dem Bild heraus fortzusetzen.

Screenshot aus dem Video

Screenshot aus dem Video

Es stellt sich also die Frage: „Wie kann man so etwas Auffälliges überhaupt nur übersehen?“

„Gesehen“ im Sinne eines optischen Reizes des Sehnerv haben ihn die Zuschauer bestimmt.
Das Gehirn hat in allerdings nicht gesehen bzw. ausgeblendet, weil er für die Erfüllung der gestellten Aufgabe (Balkontakte zählen) nicht relevant war.

Die „Zählaufgabe“ wirkte also als ein sehr starker Ablenker (man spricht vom „Distraktor“).
Wir haben es also mit einer selektiven Wahrnehmung zu tun bei welcher verschiedene Aspekte/Tatsachen einfach „ausgeblendet“ also nicht wahrgenommen werden.

Doch nicht genug damit, dass es zu diesen „Gorilla-Situationen“ bei unserer optischen Wahrnehmung kommt. Diese „Gorilla-Situationen“ finden sich auch in unserer Gedankenwelt (dem Denken generell) und in unserem gesamten übrigen Wahrnehmungssystem.

Daniel Simons bezeichnet diesen Prozess als „inattentional blindness“ mit dem Fazit:

„Wer sich auf eine Sache konzentriert, blendet alles andere aus!“

Dies ist ein zweischneidiges Schwert.
Während diese „inattentional blindness“ uns dabei hilft uns voll und ganz auf eine gestellte Aufgabe zu konzentrieren, so versperrt sie uns auch häufig die (Gesamt-) Wahrnehmung komplexer Strukturen.
Dies ist dann wiederum sehr hinderlich wenn es um die Analyse einer Situation, die Alternativen-Findung oder die Entscheidungsfindung geht.
Ziel muss es also sein, diese „Gorillasituationen“ (auch im Leben) zu identifizieren, uns ihrer bewusst zu werden und sie aufzulösen wenn wir uns davon einen Vorteil versprechen.

Eigentlich bin ich der Meinung dass unser Leben voll und ganz aus „Gorilla-Situationen“ besteht die wir mal besser mal schlechter erkennen.
Im geschriebenen Wort erscheint z.B. vieles einleuchtender oder klarer wenn man sich mit bestimmten Gedanken auseinandersetzt – häufig mit verblüffendem oder sogar witzigem Begleiteffekt.
Daher widme ich diesen Blog eben jenen „Gorilla-Situationen“.

Wer sich tiefer für die Materie an sich interessiert der kann sich hier informieren:

Hier findet ihr das Video von Simons

Oder unter dem Namen „opaque gorilla“ über diese EInstiegsseite

Mit der Gorillasituation bzw. deren Auflösung und der Entwicklung kleiner Strategien haben sich auch z.B. folgende Personen beschäftigt:

- Michael Hewitt-Gleeson
- Edward de Bono

Also: Augen auf und „Be Aware of The Gorilla“ !

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